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In wenig mehr als einem Jahrhundert hat sich die Stadt Bari um das Zehnfache vergrößert. Die Bevölkerung zählte 1861 34'000 Seelen, während sie heute 400'000 erreicht hat. Eine breite Straße, der Corso Vittorio Emanuele, teilt die Stadt in zwei fast eigenständige Teile, die sozusagen zu verschiedenen Epochen gehören. Im Gassengewirr der Altstadt nämlich scheint die Zeit der mittelalterlichen Seemannsmacht in den behutsam aufbewahrten Gebäuden und Monumenten fortzudauern. Im modernen Teil hingegen zeigt sich das rege Leben einer freien und dynamischen Stadt mit ihren breiten, langen, schachbrettartig angelegten Straßen, wo sich imposante Gebäude erheben, die von der eindrücklichen Expansionsbewegung zeugen.

Gehen wir eine Strecke auf der Seepromenade Imperatore Augusto, so erreichen wir die Basilika von San Nicola, dem Stadtheiligen. Die Basilika ist eins der kostbarsten Beispiele für die romanisch-apulische Architektur. Der Bau wurde 1087 im Auftrag des Abtes Elia begonnen, um den Resten des Heiligen Nicola eine würdige Stätte zu geben, und wurde 1197 beendet. Gehen wir nun noch ein Stück weiter auf der Seepromenade und biegen dann in den Corso Senatore De Tullio, kommen wir zur Burg der Hohenstaufen, die Friedrich II über bestehenden normannischen Grundmauern bauen ließ, wobei zwei wuchtige normannische Türme in den Bau integriert wurden. Darin lebten Isabella von Aragon und Bona Sforza mit ihrem Hofstaat; sie ließen um 1500 zusätzliche Befestigungsmauern mit lanzenförmigen Ecktürmen und einem Graben bauen. Gehen wir nun durch eine mittelalterliche Gasse, die uns direkt zur Kathedrale führt, einem romanisch-apulischen Bau aus dem 12. Jahrhundert. Weitere historisch und künstlerisch wichtige Kirchen der Stadt sind: der Kreuzgang von San Benedetto; San Marco; San Agostino; die Vallisa; die Kirche del Gesù. Nicht zu vergessen der Bogen „Arco delle Meraviglie“ und das Haus von Nicolò Piccinni. Wir überqueren den Platz Isabella d‘Aragona, an dem das Gebäude der Finanzintendantur steht, und gehen weiter auf die Allee Corso Vittorio Veneto, die zum Messegelände der „Fiera del Levante“ führt. Diese Messe zeugt von der langen Tradition Baris als Handelsmacht und gibt heute den Maßstab für die gewaltige wirtschaftliche und industrielle Entwicklung an, die im Süden im Gange ist. Auf der Allee sehen wir das Nicolò Piccinni gewidmete Denkmal und das Gebäude der Stadtverwaltung. Hier zweigt die elegante und luxuriöse Geschäftsstraße Via Sparano ab. Zuhinterst steht das Hauptgebäude der Universität und das Archäologische Museum, in dem unter anderem eine eindrückliche Sammlung griechischer und apulischer Funde ausgestellt ist. Zu sehen sind auch das König Umberto I gewidmete Denkmal des Steinhauers Antonio Cifariello und der Platz Moro, wo sich der Bahnhof befindet und in dessen Mitte der große Brunnen des „Acquedotto Pugliese“ steht; ferner der Platz Mercantile mit dem sogenannten „Sedile“, dem antiken Sitz des Rats der Adeligen von Bari, sowie die „Säule des Rechts“ (Colonna della Giustizia), an die einst die betrügerischen Schuldner gefesselt wurden. Nun biegen wir in die Seepromenade Nazario Sauro ein und genießen den erholsamen Spaziergang am Meer. Wir kommen am Pier S. Nicola vorbei, wo sich alljährlich am 8. Mai frühmorgens die Zeremonie der Einschiffung der Statue des wundertätigen Heiligen abspielt. Die Statue des Beschützers des Meeres wird dann auf das Meer hinausgefahren und empfängt dort die Ehrfurchtsbezeugungen der Gläubigen und Pilger. Unweit dieser Stelle befindet sich die kleine Bucht „nderre a la lanze“, wo die leckeren, mit Meerfrüchten zubereiteten Speisen gekostet werden können.

Die gesamte Provinz von Bari befindet sich industriell in einer intensiven Entwicklungsfase, doch stört dies das landschaftliche Bild nicht im Geringsten: die Vororte im Norden von Bari sind eingebettet in einer üppigen Landschaft, die gekennzeichnet ist durch die weißen, die einzelnen Felder abgrenzenden Trockenmauern, und durch die sogenannten „Masserie“, typische festungsähnliche Bauernhäuser. Im Süden der Stadt hingegen sind die Felder intensiv bebaut und zeugen von der fleißigen Arbeit der Großbauern. Hier und dort befinden sich kleine Dörfer, die heute noch ihre antike Bauweise bewahrt haben.