Der Gargano
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Der Gargano, Land des Glaubens, des Meeres und der Natur, grenzt die Ebene des Tavoliere ab und zeigt sich wie eine eigene Welt. Er ist ein felsiger Sporn, der von Karsterscheinungen charakterisiert wird; eine Gegend die seit jeher von externen Ein?üssen abgegrenzt war und so als eine Art eigene Region Italiens beschrieben werden kann, die an erster Stelle bezüglich der Artenvielfalt steht. Der Gargano ist reich an Geschichte, Natur, Kunst, Tourismus – das ist eine Tatsache, die jeden Besuch vollkommen macht. Der Küste entlang kann man die Gastfreundschaft und die charakteristische Lebensart in den Städten am Meer geniessen; man kann in die üppige Natur des geschützten Nationalparks eindringen; man kann auf Wegen gehen, die seit Jahrtausenden von Pilgern benützt wurden, um von Santiago de Compostela, über Rom zum heiligen Grab und in das heilige Land zu gelangen. All dies, aber noch viel mehr ist der Gargano, eine Gegend, in der die tausendjährige Geschichte mit der Gegenwart verschmilzt und wo die Naturschönheit, das geschichtliche und religiöse Erbe mit dem immer reiferen Tourismus zusammen leben.

Die Städte am Meer

MANFREDONIA
Stadt am Meer am Fusse des Gargano Gebirges. Sie liegt am gleichnamigen Golf und wurde vom Hohenstaufenkönig Manfred gegründet, um den Einwohnern der nahe liegenden Ortschaft Sipontum – antike daunische Stadt, dann römische Kolonie – die unbewohnbar wurde aufgrund der fortschreitenden Versumpfung und Erdbebens von 1223, neues Land zu geben.
Manfredonia bietet dem Besucher verschiedene historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie die Kathedrale. Diese wurde 1680 auf Wunsch vom Erzbischof Orsini – dann Papst Benedikt XIII – nach der Plünderung der Stadt und der Zerstörung des vorherigen gotischen Doms durch die Türken. Nur wenig weit entfernt befindet sich die Kirche S. Domenico aus der Zeit der Anjou, von welcher sie die Fassade behalten hat. An die Kirche schliesst die Kapelle der Maddalena, mit Freskomalereien aus dem 14. Jahrhundert, an. Weiter kann der Besucher das mächtige Kastell, von den Hohenstaufen begonnen, jedoch von den Anjou und den Aragonesen vervollständigt, besichtigen. Heute befindet sich darin das Nationalmuseum für Archäologie des Gargano, in welchem unter anderem die “Daunischen Stelen” ausgestellt sind. Diese Grabsteine aus Kalk wurden in der Ebene von Siponto entdeckt und bezeugen die Präsenz des antiken Volks der Daunier, welches sich gegen das X. Jahrhundert v. Chr. in der Gegend niedergelassen hatten. Nicht weit von Manfredonia entfernt befindet sich Siponto, heute ein bekannter Badeort. Von der antiken Sipontum blieb nur der die Basilika S. Maria Maggiore di Siponto erhalten, welche die Kathedrale der Stadt darstellt und zugleich eine der wichtigsten romanisch-orientalischen Bauten Apuliens ist. Auf der Staatstrasse 89, welche Foggia mit Manfredonia verbindet, kann man das Kloster von S. Leonardo di Siponto (XI.-XII. Jh.) mit der gleichnamigen Kirche besichtigen, welche bekannt ist für das reich bemalte Hauptportal im romanischen Stil und für das Phänomen der Sommersonnenwende: die Sonne dringt durch eine winzige Öffnung einer Rosette an der Decke des Hauptschiffes und ein Lichtstrahl erleuchtet die Kirche. Dies geschieht nur einmal im Jahr.

MATTINATA, ein schönes Städtchen, das von einer Gebirgskette gekrönt ist und wie ein Schmetterling auf zwei Hügeln schwebt. Der Ort ist kreisförmig und reicht bis zum Meer mit einer weiten Ebene, die von einer reichen und vielfältigen Vegetation gekennzeichnet ist. Die Charakteristik von Mattinata ist der Strand, der aus runden und farbigen Kieselsteinen besteht. Die Küste ist von seltener Schönheit: felsige Hochebenen, die steil gegen das Meer abfallen, Meeresgrotten – darunter die "Campana“, auch das garganische Pantheon genannt – und die eindrückliche Baia delle Zagare, die bekannt für die charakteristischen Klippen ist. Wichtige archäologische Funde, die wahrscheinlich die Reste der antiken Stadt Matinum bezeugen, wurden auf dem Gipfel des Monte Saraceno, 3 km vom Ortszentrum entfernt, gefunden; die Ausgrabungen haben eine Nekropolis mit über 400 Gräbern aus dem VII und VI Jahrhundert v. Chr. ans Tageslicht gebracht, deren Schätze im Stadtmuseum von Mattinata aufbewahrt werden. Ein Besuch lohnt sich auch in der Apotheke des Dr. Matteo Sansone, in der eine archäologische und ethnographische Sammlung mit über 4000 Funden aus der garganischen Geschichte aufbewahrt wird. Ausserdem ist die Benediktinerabtei der heiligen Dreifaltigkeit auf dem Monte Sacro empfehlenswert.

VIESTE,ist ein wichtiges Zentrum für den Tourismus im Gargano und eine der ältesten Städte des antiken Dauniens. Die Historiker, die sie mit der antiken Stadt Apeneste identifizieren (auch wenn in der Gegend die Reste einer anderen antiken Stadt, Merinum, gefunden wurden), ordnen deren Ursprung in die Römische Zeit ein, in welcher der Stadt den Namen zu Ehren der Göttin Vesta gegeben wurde. Zwei wichtige Besichtigungen sind: das Stadtmuseums, in welchem einige Grabschätze aus der nahe liegenden Nekropolis San Salvatore, die auf das IV – I Jh. v. Chr. zurückgeht, aufbewahrt werden und das Muschelmuseum, welches über 11.5000 Exemplare aus allen Meeren unseres Planeten verfügt. Im höchsten Teil des Städtchens befindet sich das Kastell aus der Normannen Hohenstaufen Zeit, das jedoch vermutlich schon viel länger existiert; in der Nähe befindet sich die Kathedrale, eines der ältesten Beispiele der apulischen Architektur des XI Jahrhunderts, während man im Herzen der Altstadt auf den „chiang amer“ (bitterer Stein) trifft: der Tradition nach sollen 1554 während einer Plünderung durch Dragut Rais, Admiral der osmanischen Flotte von Mahammed II, alle Alten und Untauglichen, die nicht als Sklaven verkauft werden konnten, auf einem Stein umgebracht worden sein, dem später den Namen „bitterer Stein“ gegeben wurde. Die Küste in der Umgebung von Vieste ist reich an wunderschönen Stränden mit goldenem Sand und steinernen Schluchten, welche nicht nur aufgrund des naturalistischen Reiz interessant sind, sondern auch wegen den geschichtlichen Zeugnissen, die sie bewahren. Auf der anderen Seite der Felswand, direkt südlich des Ortzentrums, befindet sich der Strand des Kastells, wo sich auch der Pizzomunno befindet, ein weisser Monolith von über 26 Metern Höhe, der eine verzehrende Legende in sich trägt: Pizzomunno war ein junger Fischer, der sich in ein junges Mädchen verliebt hatte. Dieses jedoch wurde von den eifersüchtigen Meerjungfrauen umgebracht. Der Schmerz um den Verlust der Geliebten war so gross, dass sich der arme versteinerte. Nur einmal alle hundert Jahre, in einer Vollmondnacht, wird der Bursche wieder Mensch, um seine Auserwählte bis zum Sonnenaufgang zu lieben.

PESCHICI lieght über dem Meer auf einem Vorgebirge (90 M.ü.M.). Im Herzen dieses kleinen charakteristischen Dorfes befindet sich das Kastell (ein Wachtturm aus dem XVII Jh.), welcher den alten Teil der Ortschaft vom neuen trennt. Die Besichtigung der Altstadt (die ausschliesslich zu Fuss erfolgt) erlaubt es, ein atemberaubendes Panorama von den engen Strassen aus zu geniessen. Ausserdem be?ndet man sich in einem Gewirr von charakteristischen Häusern mit Kuppeldächern von orientalischem Ursprung. Zu besichtigen ist auch die an den Schutzpatron, Sant’Elia, geweihte Kirche. Die Bevölkerung von Peschici verehrt den Heiligen seit er die Felder und Böden von einer Heuschreckeninvasion befreit hatte.
Von Peschici aus führt die Strasse in engen Kurven zum Meer und bietet so einen Blick auf die hohen, mächtigen Küsten, die sich mit goldenen Sandstränden abwechseln und vom Blau des Meeres umspült werden. Hier be?nden sich auch die Feriendörfer und verschiedene Villen, die in gut riechende Pinienwälder eingehüllt sind. Der Küstenabschnitt zwischen Peschici und Vieste ist von vielzähligen Trabucco gekennzeichnet; das sind hölzerne Fischerfangvorrichtungen. Ausserdem kann man verschiedene Aussichtstürme sehen, die sich überall in Apulien be?nden und von den Aragonesen gebaut wurden, um die Küsten vor den türkischen Angriffen zu schützen. Besonders muss der Benediktinerkomplex der Santa Maria di Calena (IX Jh.) erwähnt werden, in welchem sich immer noch die Kirche, das Refektorium und die Schlafsäle der Mönche befinden; ein anderes für den Marienkult wichtiges Gebäude, nur zwei Kilometer von Peschici entfernt, ist die Kirche der Madonna di Loreto, welche zwischen dem XVI und dem XVII Jahrhundert gebaut wurde und zwar dort wo die Jungfrau einigen, von einem Sturm überfallenen Fischern , erschienen sein soll.

RODI GARGANICO,
lieght auf einem kleinen Vorgebirge der nördlichen Küste des Gargano und ist von Zitrusp?anzenbäumen umgeben, die von üppigem Schilf versteckt werden, aber deren Duft überall riechbar ist. Dieses Städtchen wurde von den Kretern (später liessen sich hier die Griechen nieder) gegründet und es war von mächtigen Mauern umgeben, von welchen noch heute einige Spuren sichtbar sind. Die interessanten geschichtlichen Schätze sind jedoch beinahe alle an Religiöses gebunden. In der reizenden Altstadt, die von engen Strässchen, Treppen und kleinen Gärten gekennzeichnet ist, befinden sich die Kirchen San Nicola di Mira, in byzantinischem Stil, und San Pietro aus dem XIII Jh. Letztere enthält einige Statuen aus dem XVI Jahrhundert. Der Hafen ist eine Art Sammelpunkt für die Touristen, die die Tremiti Inseln besichtigen möchten, denn von hier aus fährt die Fähre direkt auf die Inseln über.

VICO DEL GARGANO vom Grün des Umbra Waldes bis zum Blau des Meeres, mit den Stränden von San Menaio und Calenella. Es handelt sich um ein malerisches Dorf, dessen ältester Kern das „Civita Quartier“ ist. Es ist von Strassen und Strässchen charakterisiert und besondere Aufmerksamkeit gilt dem Kastell aus der Hohenstaufenzeit, das jedoch im XIV Jahrhundert neu errichtet wurde. Aus der Hohenstaufenzeit blieben einige Reste eines zylinderförmigen Wachtturmes, einige Räume mit Kreuzbögen im Ogivalstil und eine antike Olivenölpresse. Um die schlechte Ernte der Zitrusfrüchte, die vom kalten Winter zerstört wurden, erfragten die Einwohner von Vico 1618 beim Papst, den Schutzpatron wechseln zu können. So wurde der heilige Valentin anstelle des heiligen Norbert zum Schutzpatron; die Feierlichkeiten des letzteren fielen nämlich in den Monat Juni, was es unmöglich machte, Hilfe für die kalten Monate zu erbitten. Noch heute, vom 9. bis zum 15. Februar wird der heilige Valentin gefeiert. Sein mit Orangen, Klementinen und Zitronen geschmücktes Abbild wird zur Prozession getragen. Diese Zitrusfrüchte verwandeln sich, falls sie der geliebten Person geschenkt werden, in Liebe, die im Vico del Bacio (Gässchen des Kusses – nur 50 cm breit) aufgebraucht werden soll.