| Der Gargano ist auch bekannt als der „Heilige Berg“ aufgrund seiner Verehrung, und zwar schon sehr früh (seit dem V Jahrhundert), des Erzengels Michael.
Er war seit jeher Kreuzung der Pilger, welche auf der Via Sacra Langobardorum, mittelalterlicher Pilgerweg, von Mont Saint Michel in Frankreich zur Wallfahrtskirche des heiligen Erzengels Michael gelangten. Auf dem Gargano Vorgebirge in 843 Meter Höhe, dominiert Monte Sant’Angelo den Tavoliere im Westen und den Golf von Mafredonia im Süden. Die Geschichte dieses Ortes beginnt mit den Erscheinungen des Erzengels Michael, die der Bischof von Siponto San Lorenzo Maiorano, zwischem 490 und 493 n. Chr. erfahren durfte. Danach wurde, wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des VI. Jahrhunderts, die eindrückliche Kirche gebaut. Das Glück des Kloster war auch die Zeitgleichheit mit der Langobardendynastie (VII-VII Jahrhundert), nachdem die Bekennung des Katholizismus den Kult des heiligen Michaels annahm und das Kloster des Erzengels zur nationalen Wallfahrtskirche ernannt wurde. Das antike Zentrum des Dorfes entwickelt sich um die Grotte des Erzengels; nur wenige Meter von der Wallfahrtskirche entfernt befinden sich die Reste der Kirche San Pietro, aus dem XII. Jahrhundert, in welcher sich das so genannte Rotariegrab befindet. Weiter kommt man zur Kirche S. Maria Maggiore, mit der Lisene- und Rhombenfassade, typische Elemente der apulischen Romanik. Von mittelalterlichem Ursprung ist das Rione Junno, ein eindrückliches Quartier mit weissen Reihenhäusern mit grossen Schornsteinen. Nordwestlich der Wohngegend trifft man auf das Kastell, eine primitive normannische Struktur (von welcher der von Robert il Guiscardo gewolltem Turm der Riesen geblieben ist), die im XIII Jahrhundert von Friedrich II und letztendlich im XV Jahrhundert von Ferdinand I von Aragon verändert wurde. Im Südwesten von Monte Sant’Angelo, im Pulsanotal, steht die antike Abtei von Santa Maria, die auf das XII Jahrhundert zurückgeht.
Heute ist der Gargano, seit jeher dem Erzengel ergeben, auf eine Arte „neu geweiht“ worden, und zwar dem charismatischen heiligen Pio von Pietrelcina, überall bekannt als Padre Pio, der Gläubige aus der ganzen Welt in das garganische Städtchen San Giovanni Rotondo ruft: dem geschichtlichen Michaelskult hat sich jener des bescheidenen Mönchs angeschlossen. Viele Pilger kommen zum Kapuzinerkloster aus dem XVI. Jahrhundert, wo Padre Pio fünfzig Jahre lang gelebt hat: im Inneren kann man, ausser seines Grabes, die Zelle wo er gelebt hat und gestorben ist, besichtigen. Heute können die Pilger gut in der neuen Kirche empfangen werden, welche bis zu 6500 Gläubige aufnehmen kann. Es handelt sich um ein Meisterwerk der Architektur von Renzo Piano. Das Werk des Padre Pio hat auch den Bau des Spitals „Casa Sollievo della Sofferenza“ ermöglicht. Es ist eines der grössten Anlagen Süditaliens, welche seiner Zeit in verschiedenen Sektoren der Medizin voraus ist.
Nur wenig weit von San Giovanni Rotondo entfernt befindet sich die Ortschaft San Marco in Lamis: ihr Urprung, welcher in das XI. Jahrhundert zurückgeht, und ihre Entwicklung sind in engem Zusammenhang mit dem Kloster von San Matteo, dessen Bau auf die erste Ausdehnung der Benediktiner in der Capitanata zurückgeht. Ursprünglich war es als Unterkunft für die Pilger gedacht, die auf der Via Sacra Langobardorum die Grotte des Erzengels Michael in Monte Sant’Angelo erreichten. Im Jahr 1311 ging das Kloster von den Benediktinern an die Zisterzienser über, die es bis 1578 beherrschten, als der Paps Georg XIII das Kloster den Minderbrüdern übergab und ihm den Namen „San Matteo“, anstelle des alten „San Giovanni in Lamis“ gab. In der Gegend von San Marco in Lamis befindet sich auch eine andere antike Wallfahrtskirche, die mit der Pilgerfahrten entlang des heiligen Weges in Verbindung steht: es handelt sich um Santa Maria di Stignano, welche nach jahrelangem Verlassen wieder wie in der Vergangenheit geworden ist: Oase der Spiritualität und Aufnahme.
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