| Wenn man Richtung Gargano vom Tavoliere Apuliens aus geht, kommt man zum Varanosee, der von unterirdischen Quellen versorgt wird und welcher mit seinen 60,5 km² der grösste Küstensee der Adria ist. Das Gebiet ist von unbestreitbarer Schönheit: eine dünne Landzunge, die von Sanddünen und kleinen Wäldern bedeckt ist, trennt den See vom Meer, das wiederum durch zwei Kanäle mit dem See verbunden ist: Foce Varano und Foce di Capoiale. Hier befindet sich die Gemeinde von Cagnano Varano, wahrscheinlich die antike italische Stadt Uria, während sich ein bisschen höher gelegen Carpino, Stadt des Öls und der garganischen Volklieder, befindet. In Carpino findet jährlich, seit zehn Jahren, das „Carpino Folk Festival“ statt, eine wichtige Musikveranstaltung, die in der ersten Hälfte des Monats August stattfindet. Einer Serpentinenstrasse entlang, mit herrlichem Blick auf den See, erreicht man Ischitella, ein mittelalterliches Städtchen und Geburtsstadt des Historikers und Juristen Pietro Giannone. Der Lesinasee hingegen ist durch die fortschreitende Schliessung der Meereseinbuchtung entstanden und ist deshalb eine wenig tiefe Küstenlagune, die bekannt für die Aale und die Wanderfauna ist, die zwischen dem Schilf Unterschlupf findet. Der Wohnort von Lesina, deren Einwohner mehrer Male durch die Malaria dezimiert wurde, wurde im VII Jahrhundert zum Unterschlupf für die Bevölkerung von Lucera, vom XI bis zum XVI Jahrhundert Bischofssitz und Grafschaft, die vor den Byzantinern flüchten mussten. Ein Besuch lohnt sich in der Mutterkirche (wieder Aufbau aus dem neunzehnten Jahrhunderts eines älteren romanischen Baus), in der Abtei Santa Maria di Ripalta (Ziel verschiedener Pilgerfahrten, ungefähr neun Kilometer vom Ortszentrum entfernt) und im Besuchszentrum des Gargano Nationalparks.
Die Karsterscheinungen
Die geologische Natur des Gargano bevorzugt Karsterscheinungen von internationaler Bedeutung. Grotten, Dolinen, Karstbrunnen sind auf dem ganzen Gebiet zerstreut. Bedeutendes Beispiel dieser Karsterscheinungen ist die Pozzantina Doline, südlich von San Nicandro Garganico, die über 100 m tief ist und einen Umfang von 1850 m hat. Es ist eine der grössten in Italien und sie erscheint dem Besucher wie ein wirkliches, natürliches, halbrundes Amphitheater. Von den tiefen Karsterscheinungen kann man auf das Bestehen von sechshundert garganischen Grotten schliessen: unter diesen von besonderer archäologischer Bedeutung die Paglicci Grotte (Rignano Garganico). Dieser international bekannte prähistorische Ort ist in der Mitte zweier sehr verschiedener Umgebungen: auf der einen Seite der glühende Tavoliere, auf der anderen das Gebirge mit seinen felsigen Abstürzen. Hier wohnten vermutlich prähistorische Völker vor 200.000 bis 10.000 Jahren und es ist ein Schatz von unschätzbarem Wert. Tatsächlich wurden zwischen 1961 bis heute über 40.000 Funde an die Erdoberfläche gebracht. Darunter zwei Skelette: eines von einem ungefähr 13 jährigen Burschen und das andere von einer ungefähr 20 jährigen Frau, beide zirka 23.000 Jahre alt. In der Gemeinde von Rignano Garganico, in einer Panoramaposition über dem Tavoliere, befindet sich das Studienzentrum Paglicci und ein wichtiges Museum, das der Grotte gewidmet ist. Die Paglicci Grotte, selten dem Publikum geöffnet, befindet sich auf der Strasse, die von Rignano Garganico Richtung Foggia führt. Auf halbem Weg zwischen Monte S. Angelo und San Giovanni Rotondo, in einer grossen geschlossenen Mulde, die das Wasser der umliegenden Felder aufnimmt, öffnet sich die Grava di Campolato, ein perfekt vertikaler Schlund von 100 m Tiefe. Es ist die wichtigste Aushöhlung des Gargano, sowohl was die Tiefe als auch die Entwicklung betrifft und es ist eine der wichtigsten Grotten Süditaliens. Die Grotte ist nur schwer erforschbar aufgrund der Gefahr von plötzlichem Hochwasser und der Präsenz von Wasser und Schlamm..
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