Der Tavoliere
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Der Tavoliere ist die grösste Ebene Südmittelitaliens, die vor allem mit Getreide und Gemüse angebaut ist. In den Zeiten von Friedrich II war dieses Gebiet grösstenteils Forst mit Sümpfen, Mooren, Wäldern und grossen Wiesen und Weiden. Diese Gegebenheiten begünstigten die Wanderzucht, die später zur Transhumanz wurde, welche es den Hirten erlaubte, im Winter reiche Weiden in den Ebenen und im Sommer auf den Bergen zu haben. Im Laufe der Zeit wurde die Hirtenwirtschaft von der Landwirtschaft ersetzt, das auch Dank der verschiedenen Trockenlegungsarbeiten in der Gegend ab dem 19. Jahrhundert möglich war. In der Mitte des Tavoliere befindet sich die Stadt Foggia, welches bereits Hauptort der historischen Region Capitanata und wichtiges landwirtschaftliches und industrielles Zentrum, welche bereits uralten Zeiten den Getreideanbau kannte; daher stammt auch ihr Name fovea, also der Graben, in welchem das Getreide aufbewahrt wurde. Ihr Ursprung geht auf das Jahr 1000 zurück, auch wenn es in der Nähe bereits eine sehr wichtige Römische Kolonie gab, Arpi, welche heute eine wichtige archäologische Ausgrabungsstätte ist, die sich ungefähr 8 km nordöstlich des Hauptortes befindet. Die Ausgrabungen, die in der Gegend der antiken Stadt Arpi und in anderen Orten der Daunia gemacht wurden, werden in der archäologischen Abteilung des Städtischen Museums aufbewahrt. Foggia hat nicht viel der antiken Stadt beibehalten, da sie von Erdbeben, aber vor allem von den grausamen Bombenangriffen des letzten Weltkrieges zerstört wurde. Unter den ältesten Zeugnissen sind der Bogen des Palasts von Friedrich II aus dem Jahr 1223, der auf einer Seite mit dem Palazzo Arpi zusammengefügt ist, in welchem sich heute das Stadtmuseum befindet und die Kathedrale zu nennen. Letztere wurde, obwohl sie bereits am Anfang des XII. Jahrhunderts gebaut wurde, ab dem XVII. Jh. „erneuert“ und zeigt sich heute in einem barocken Gewand. Im Innern wird der Iconavetere, der heilige Tisch der Madonna dei Sette Veli (Schutzpatronin der Stadt) aufbewahrt, der von einigen Hirten im Jahr 1073 in einem Morast gefunden wurde. Unter den Kirchen von Foggia ist zweifelsohne die Kirche Delle Croci zu nennen, die in der ersten Hälfte des XVIII Jahrhunderts erbaut wurde: ihre Besonderheit ist, dass ihr ein Triumphbogen voraus geht, der von fünf, in eindrücklicher Perspektive, perfekt aneinander gereihten kleinen Kappelen gefolgt wird. Ausserdem die Kirche dell’Addolorata des Jahres 1739 mit der Wunderstatue der Madonna Addolorata, die Kirche San Giovanni di Dio, die Kirche Gesù e Maria, die Kirche San Giovanni Battista (XVIII Jh.), wo die Madonna die Sette Veli dem heiligen Alfonso Maria de’Liguori erschienen ist (1731) und sich das Wunder der Statue der Addolorata ereignet hat, das der Choleraepidemie des Jahres 1837 ein Ende setzte. Alter Sitz des Zollmonopols der Schaftreiberei ist der Palazzo Dogana, wo heute die Galerie für Moderne Kunst der Provinz untergebracht ist. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich die Kirche San Francesco Severino (XVIII Jh.) mit einer schönen ionischen Vorhalle; auch der Stadtpark verfügt über einen schönen Pronaos im neoklassischen Stil, der von Luigi Oberty im Jahr 1820 entworfen wurde. Der Architekt Oberty stellte im folgenden Jahr das Theater „Umberto Giordano“ fertig, welches dem gleichnamigen Musiker aus Foggia, Autor der Opern Fedora und Andrea Chenier, die in der ganzen Welt bekannt sind, gewidmet ist. Von Foggia aus ging Friedrich II, mitsamt seinem „Wanderhof“ in den nahe gelegenen Wald der Incoronata, der zu jener Zeit zweifelsohne viel grösser und üppiger war als heute, um sich der Falkenjagd zu widmen, über welche er sogar Theorien aufstellte. Heute ist der Wald vor allem Dank der Wallfahrtskirche der Incoronata, deren Ursprung, der Tradition zu folge, auf das Jahr tausend zurück geht, als die Madonna zwischen den Ästen eines Baumes erschienen sein soll. In der modernen Kirche wird die Statue der schwarzen Madonna verehrt. Vor allem im Mai werden besondere und auch spektakuläre Bräuche ausgeführt. Im anliegenden Museum werden verschiedene Bilder von Ex-Voten aufbewahrt. In der Nähe des Dorfes Incoronata befinden sich die Gemeinden Orta Nova, Stornara, Sornarella, Carapelle und Ordona. Die Gründung dieser Gemeinden geht auf das Jahr 1773 zurück, als die Immobilien der Jesuiten vom Königreich Neapel beschlagnahmt wurden und die Masserien von Ansiedlern bewohnt wurden: so wurden die „Fünf Königlichen Orte“ gegründet. In der Nähe der Statdt Ordona können die Ausgrabungen der antiken Stadt Herdoniae, eine der antiksten und wichtigsten Städte Süditaliens, die es bereits im IV Jh. v. Chr. gab, besichtigt werden.

Ab den Sechzigern Jahren haben die Ausgrabungen Zeugnisse der Römer ans Tageslicht gebracht: das Amphitheater, das Forum, die Reste der Basilika, die Geschäfte, die Tempel, der runde Markt, der heute noch delikate Freskomalereien zeigt. Die Materialien aus Herdoniae werden im Stadtmuseum von Foggia ausgestellt. Wenige Kilometer von Ordona entfernt, auf der Staatsstrasse 16, gelangt man nach Cerignola, Herz des landwirtschaftlichen Apuliens. Als Zeugnis hierfür gilt, der sich im Zentrum befindende Platz Piano delle Fosse, unter welchem sich Getreidesilos befinden, die seit ältesten Zeiten für die Aufbewahrung der Weizen dienten. Der wichtigen landwirtschaftlichen Tradition sind das Getreidemuseum und das Ethnographische Museum gewidmet. Cerignola ist auch für den Dom bekannt, welcher in der Moderne mit gotischen Formen gebaut wurde und von weitem durch seine hohe achteckige Kuppel erkannt werden kann. Nur wenig weit vom Zentrum entfernt befindet sich der Torre Alemanna, das einzige Besitztum der Capitanata aus dem Mittelalter, abgesehen von der Abtei San Leonardo di Siponto, welche dem Ritterorden der Teutonen angehörte. Wenn man Richtung Küste fährt, trifft man auf die Siedlungen San Ferdinando di Puglia, ein Mitte landwirtschaftliches Zentrum, das Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von Ferdinand II von Bourbon gegründet wurde, und Trinitapoli, wo sich, in einer wunderschöner Villa des achtzehnten Jahrhunderts, das Stadtmuseum mit den Funden des Archäologischen Parks der Hypogäen befindet. Von Trinitapoli aus gelangt man leicht nach Margherita di Savoia, ein bekannter Bade- und Thermalort, der bekannt für die Salinen ist. Letztere sind nicht nur für die Salzproduktion bekannt, sondern auch weil auf ihnen verschiedene Wasservögel, unter anderen der berühmte rosarote Flamingo, nisten. Die Salinen gibt es schon seit jeher und sie sind eine Folge der Versumpfung der Lagune, die es in dieser Gegend gab: an einem dieser Ufer wurde die Stadt Salapia gegründet, eine Römische Kolonie des I. Jh. v. Chr., deren Reste man problemlos von Margherita als auch von Zapponeta, ein weiterer kleiner Badeort, aus erreichen kann. Die Salinen sind während dem letzten Jahrhundert noch grösser geworden, als der See Salpi vollständig trockengelegt wurde. Einige Gegenden wurden jedoch nicht entsumpft, wie das feuchten Gegenden um das Mündungsgebiet des Candelaro, südlich von Siponto, welche heute Teil des Nationalparks des Gargano sind: der Sumpf Frattarolo und die Oase LIPU des Salso Sees.
Nördlich von Foggia befindet sich San Severo, die am dichtesten bevölkerte Stadt des Tavoliere, nach dem Provinzhauptort. Diese Gegend war bereits im Paläolithikum bewohnt, doch erst im Mittelalter erfährt San Severo eine grössere Entwicklung; heute ist die Stadt ein wichtiges Landwirtschafts-, Industrie- und Handelszentrum, das bekannt für den Wein ist. Zu besichtigen: die barocke Wallfahrtskirche Madonna del Soccorso, die Kathedrale der Assunta, die im XI Jh. erbaut und im Barock umgearbeitet wurde, und die Kirche San Severino, die auf der rechten Seite immer noch die romanische Fassade aus dem XII. Jh. mit den Säulen tragenden Löwen und der Fensterrose. Von San Severo aus kann man andere Gemeinden des Tavoliere erreichen: Torre Maggiore mit dem Herzogspalast aus dem sechzehnten Jahrhundert und der wenige Meter entfernten Ruine des Castel Fiorentino, das Friedrich der II sehr liebte und wo er auch gestorben ist; San Paolo di Civitate, das dort gebaut wurde, wo sich das Dorf Civitate befand (von welchem nur die Kathedrale geblieben ist) und welches nicht weit vom römischen Ort Teanum Apulum; Serracapriola mit dem grossen mittelalterlichen Kastell und der schönen Kirche Santa Maria in Silvis aus dem siebzehnten Jahrhundert; Chieuti, ein kleiner Ort, der sich auf den Ruinen der italischen Stadt Cliternia erhebt und wozu auch der Badeort Marina di Chieuti gehört, welcher an die Region Molise angrenzt. Im Monat April findet in Chieuti, während den Festlichkeiten zu Ehren des Heiligen Georg, der Ochsenritt statt. Die Vorbereitungen zu diesem umstrittenen Fest spannen das ganze Dorf, das in Teams aufgeteilt ist (die Quartiere der Wagen), ein. Ein sehr schwerer Wagen, der mit Lorbeerästen beladen ist, wird über eine Strecke von viereinhalb Kilometer von vier Ochsenpaaren gezogen. Die Menge rennt mit den Wagen, während eine Männergruppe auf Pferden die Ochsen mit langen Stöcken stecken. Dem Sieger wird ein farbiger Hut und der Tarallo geschenkt: ein Zopf aus Caciocavallo von ungefähr achtzig Kilogrammen mit den Taten des heiligen Georg. Wenn man von San Severo aus Richtung Gargano fährt, kommt man nach wenigen Kilometern nach Apricena, ein grosses landwirtschaftliches Zentrum mit mittelalterlichem Ursprung, das bekannt für den Marmor ist. Hier kann man den 1658 gebaute Baronspalast (die Ruinen des Kastells von Friedrich II wurden einverleibt) und die Reste der mittelalterlichen Pfarrgemeinde S. Marino besichtigen. Von Apricena aus kann man über die Staatstrasse zu den Küstenorten des Gargano gelangen; oder, in nur 10 km Entfernung kann man Poggio Imperiale besichtigen. Poggio Imperiale ist erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, auf Wunsch des Prinzen Placido Imperiale, dem das Städtchen seinen Namen verdankt, entstanden. Hier findet während den ersten Augusttagen ein sehr charakteristisches Fest statt: der Dorfplatz, der einem Schachfeld gleicht, wird zum Spielbrett eines einzigartigen „lebendigen Damespiels“.