Tarent, die Stadt  der Beiden Meere genannt, hat eine günstige Lage in der Mitte der gleichnamigen Bucht. Es war immer sehr wichtig vom militärischen Gesichtspunkt, seitdem es 700 v. Chr. von spartanischen Kolonisten kolonisiert wurde und in weniger Zeit zu einer bedeutenden, mächtigen, an Tempeln reichen Stadt Grossgriechenlands wurde. Als einer der wichtigsten Stützpunkte der Kriegsmarine lebt Tarent in enger Verbindung mit dem Meer, das immer das vorherrschende Kennzeichen der Stadt gewesen ist. Auf dem Meer entfaltete sich das Leben der Fischer und Matrosen, die im Laufe der Jahrhunderte das alte Tarent bewohnten.

In der Geschichte Tarents spielen zahlreiche Kriegsepisoden mit; die Kultur jedoch konnte trotz der Invasionen und Zerstörungen nicht unterdrückt werden. Grausam hausten die Sarazenen in Tarent und machten es zu einem Trümmerhaufen, auf dem 1000 der Byzantiner Niceforo Foca die Stadt wieder erbaute, die im Laufe der Jahre in den Besitz der Normannen, Schwaben, des Hauses Anjou und der Aragonesen gelangte. Erst als die Bourbonen nach dem Sturz der Republik Neapel wieder die Macht ergriffen, kamen ruhigere Zeiten für Tarent.

Die auf einer Insel liegende Altstadt ist im Südwesten vom Mar Grande (Grossmeer) und im Nordosten vom Mar Piccolo, einem richtigen, salzigen See, bespült, worin zahlreiche citri (Quellen) von Süsswasser strömen.

Ihr Stadtrundgang beginnt von der Piazza Fontana aus, die einem Brunnen ihren Namen verdankt, der vom Kaiser Karl V. erbaut wurde und von dem Sie einige Teile in einem modernen Wiederaufbau bewundern können. Dann gehen Sie nach links und erreichen die Marina (die Strandpromenade), die auf den Mar Piccolo blickt, an dem der Fischmarkt stattfindet und an dessen Ufer die Fischerboote anlegen. Sie gehen dann in das Innere der Altstadt, wo Sie die restaurierte Via Cava und andere Gassen und Gässchen bewundern können.

Später erreichen Sie die Ringhiera ( so wird die Strandpromenade Vittorio Emanuele II. genannt), die auf die wunderbare Landschaft des Mar Grande mit den bezaubernden Cheradiinseln und auf den Handelshafen blickt.

In der mittelalterlichen Altstadt, oberhalb einer Barockfreitreppe erhebt sich die Kirche San Domenico, 1300 erbaut (der Öberlieferung nach geht sie zu dem Kaiser Friedrich II. zurück), deren Fassade ein gotisches Portal und eine herrliche Rosette zeigt. Aus der Kirche kommt am Abend des Gründonnerstags die eindrucksvolle, berühmte Prozession der Schmerzensmutter.

Wenn Sie die Ringhiera entlang gehen, erreichen Sie den Dom San Cataldo, der zum Jahr 1071 zurückgeht und dem seine ursprünglichen, romanischen Stilelemente wiedergegeben worden sind. Die Fassade im Barockstil wurde 1713 erbaut. Das Innere ist dreischiffig, mit Säulen und Kapitellen von verschiedenem Stil und Zeitalter, die aus vorherbestehenden Bauten stammen.

Von besonderem Interesse sind der Hochaltar in Basilikaform, die hölzerne Kassettendecke des Mittelschiffes (gold-farbige Vierecke) und das Taufbecken. In der Krypta, die mit byzantinischen Fresken aus dem 12. Jh. geschmückt ist,

fühlt man die Atmosphäre des aufkommenden Christentums.

Sehr prunkvoll ist die grosse Kapelle San Cataldo, die zahlreiche Marmormosaiken und Statuen aus dem 18. Jh.

 zeigt und an der einige bedeutende Marmormeister wie Fanzago aus Neapel und Leombardelli aus Carrara arbeiteten. Das Gewölbe ist mit Fresken von De Matteis geschmückt, die einige Episoden des Lebens des heiligen Cataldo, des aus Irland gekommenen Bischofs von Tarent, darstellen.

Erwähnenswert sind die Klöster Santa Chiara und San Francesco und die Adelsgebäude Pantaleo, Carducci und D’Aquino.

Am Ende der Via Duomo stehen zwei Säulen eines dorischen Tempels aus dem 6. Jh. Sie sind das Einzige, was von dem griechischen Tarent übriggeblieben ist; aber auch diese wenigen Öberreste lassen jene Welt erahnen, deren oberstes Gesetz die Ästhetik war.

Auf dem Rathausplatz liegt der Zugang zum Schloss; Ferdinand l. von Aragon hat 1492 diese gewaltige Festung auf den Überresten des alten Kastells aus dem 10. Jh. aufbauen lassen.

Die Drehbrücke, die sich neben dem aragonischen Schloss befindet, verbindet seit 1887 die Altstadt mit der Neustadt. Die Schiffe fahren durch den schiffbaren Kanal von einem Meer ins andere. Jenseits der Brücke ist Korso Due Mari, der nach links  zu Via Roma und nach rechts zu der mit Palmen und Eichen bepflanzten Strandpromenade führt, die auf die wunderbare Bucht des Mar Grande blickt und als eine der schönsten in der Welt geschätzt ist; eindrucksvoll ist der Brunnen "La Rosa dei Venti" (Windrose), auf der Piazza Ebalia.

Von Via Roma erreichen Sie das meereskundliche Institut, Sitz auch eines ozeanographischen Museums, und die bezaubernden Peripatogärten, grüne Lunge alten Ursprungs. Einige Schritte von hier das archäologische Nationalmuseum, das seinen Sitz in dem ehemaligen Kloster der Alcantarinibrüder hat und sehr wichtig für die Kenntnis der Kunst und der Zivilisation der Magna Graecia ist. Es stellt Tausende von wichtigen Fundstücken aus, unter denen die berühmte Sammlung der hellenistischen Goldjuwelen und Vasen, Masken, Terrakotten, Statuen aus der Zeit des griechischen und ršmischen Tarents.

Sehenswert sind die Riten der Karwoche, die tief in der Zeit und in der Seele der Bevölkerung verwurzelt sind; sie umfassen unter anderem die schon genannte Prozession der Schmerzensmutter und die der Mysterien, die am Karfreitag aus der Kirche Carmine kommt und dahin am Karsamstag zurückkehrt. Das Kennzeichen beider Prozessionen ist der langsame, schaukelnde Gang der barfüssigen Brüder, beim Klang der Trauermärsche.

Bedeutende, moderne Sehenswürdigkeiten sind die neue Kathedrale (Concattedrale), ein Werk im neugotischen Stil des berühmten Mailänder Architekten  Ponti, die weiten Mosaiken von Ferruccio  Farrazzi der Kirche Sant'Antonio und die Brücke Punta Penna, wovon Sie beide Busen des Mar Piccolo bewundern können.

Die Provinz von Tarent blickt auf die gleichnamige Bucht und bietet hundert Kilometer von Küsten mit an Pinienwäldern reichen Sandstränden. Im Hinterland im Norden ist die tarentinische Ebene von den Murge beherrscht, von denen kleine Flüsse zum Meer flossen und Schluchten schufen. Diese eindrucksvollen Canyons entlang entwickelte sich die felsige Kultur von Massafra, Palagianello, Mottola, Laterza und Ginosa (in dessen Schlucht die Passio Christi jährlich stattfindet).

In Castellaneta können Sie das Museum vom berühmten Schauspieler Rodolfo Valentino besichtigen, der in diesem Städtchen geboren wurde. Die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, die im 15. Jh. restauriert wurde, birgt kostbare Marmorverkleidungen und Gemälde, darunter ein sehr interessantes Gruppenbild von Giulia- no di Santacroce (18. Jh.) und Gemälde von Domenico Carella. Die jonische Küste entlang, zwischen Castellaneta und Ginosa, sind die bekannten, eindrucksvollen Golfplätze von Riva dei Tessali.

Die Provinz von Tarent bietet zahlreiche gleichartige Touren, wie, zum Beispiel, die der als Befestigungen gegen die Sarazenen erbauten Türme an den Küsten, die der Masserie (Bauernhöfe), welche in einigen Fällen, wie auf dem Land von Crispiano, eine grosse historische und künstlerische Bedeutung haben, und die der Schlösser.

Schliesslich ein Hinweis auf die Gastronomie: an der Küste stützen sich die typischen Gerichte auf Fisch und köstliche Meeresfrüchte. Auf den Hügeln ist der Gebrauch von Kalbs- und Schaffleisch vorwiegend; schmackhaft sind die gnummaridd, Knäuel von in Streifen geschnittenen und in GedŠrme eingefüllten Eingeweiden.